Aktien vs. Immobilien: Ein Jahrhundertmodell

Von den Wirtschaftshistorikern wurde bereits nachgerechnet: Die Durchschnittsrendite der Aktien wird von der, der Immobilien übertroffen. Doch dabei handelt es sich nur um die halbe Wahrheit – und für die Privatanleger handelt es sich hierbei auch nicht um einen weisen Ratschlag.

Die Experten warnen vor hoher Inflation

Die Experten warnen seit dem Siegeszug der Nullzinspolitik der größten Notenbanken der Welt vor einer hohen Inflation. Über all die Jahre hat sich die Anlageempfehlung nicht verändert: Sachwerte, Sachwerte und nochmals Sachwerte. Die Idee die dahinter steckt ist, dass alles was einen inneren Wert aufweist, diesen nicht verliert. So sollen die Sachwerte dem Geldvermögen vorgezogen werden, denn kommt es zu einer Steigerung der Inflation, dann werden auch die Preise der Sachwerte ansteigen. Dagegen sei das Papiergeld wertlos und das Geldvermögen bringt praktisch keine Zinsen. Zudem wird es durch eine niedrige Inflationsrate mit der Zeit seine Kaufkraft verlieren.

Die Immobilien liegen historisch vorn

Bei den Anlageprofis und den Sparern stehen bei dieser Strategie die Aktien und Immobilien gleichermaßen im Mittelpunkt. Ganz egal in welcher Währung und zu welchem Zeitpunkt: Mauern und Grundstücke bleiben erhalten und weisen einen Wert auf. Dagegen sind die Aktien verbriefte Eigentumsanteile an Unternehmen und von den Aktienkursen wird die Inflation ganz automatisch berücksichtigt. Und tatsächlich: Der Immobilien- sowie der Aktienmarkt ist seit Jahren im Aufwärtstrend. Doch welche Anlage hat nun die Oberhand?

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat Moritz Schularick, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bonn Unmenge von Preis- und Kursdaten aus 16 Ländern weit in die Vergangenheit zurückverfolgt. Durch die Daten, die sich daraus ergaben, konnte er die Renditen der Aktien und der Immobilien miteinander vergleichen. Das Ergebnis das sich daraus ergab, dürfte sogar die Fachleute überrascht haben:

In der Zeit von 1870 – also in den letzten knapp 150 Jahren – bis dato, erzielten Immobilien eine höhere durchschnittliche Rendite als Aktien!

Die Immobilien erreichten im Durchschnitt der 16 Länder eine Wertsteigerung jährlich von rund 8,7 % – Aktien nur 6,9 % pro Jahr. Mit knapp 1,5 bis 2 % waren die Anleihen ebenso weit abgeschlagen, wie die Bankeinlagen mit einer Rendite von 0,3 %.

Durchschnittlicher Renditewerte nicht gravierend

Von Schularick werden die durchschnittlichen Renditewerte zwischen Aktien und Immobilien nicht für gravierend angesehen. Der Wirtschaftsprofessor erklärt, dass die Größenordnung zwar sehr ähnlich sei, doch das sich die Durchschnittswerte je nach Land unterscheiden in dem betrachteten Zeitraum. So weist Frankreich bspw. eine sehr geringe Aktienrendite auf, die sehr überraschend ist: 2,9 % bei den Aktien und 6,4 % bei den Immobilien. Dass die Aktienrendite so gering ausfällt, das könnte dadurch erklärt werden, dass viele der Unternehmen im Land verstaatlicht sind. Doch seit den Achtzigerjahren hat sich das Bild verändert: 5,8 % Immobilienrendite und 8,3 % Aktienrendite in Frankreich.

Die Ergebnisse in Deutschland weichen etwas ab. Die Immobilienpreise haben hierzulande jährlich um 7,9 % im Durchschnitt pro Jahr zugelegt und die Aktienpreise um einen Prozentpunkt weniger pro Jahr. Doch interessant ist es, dass die Aktienrendite in Deutschland seit 1950 die der Immobilien übersteigt und das ab 1980 sehr deutlich wird. Seitdem stiegen die Immobilienpreise bis 2015 um durchschnittlich 4,1 % pro Jahr während die Aktien rund 10 % Rendite jährlich abwarfen.

Aktien und Immobilien: Was denn nun?

Ob es sich bei einer Immobilie um eine rentable und stabile Wertanlage handelt, das ist noch immer von Zeit und Ort abhängig – den historischen Daten zum Trotz. Aber dennoch überwiegen die Vorteile der Immobilien ganz klar gegenüber den Aktien. Denn der Wert der Immobilien schwankt weit weniger stark und die Mieteinkünfte sind tendenziell unabhängig von Krisen und der Konjunktur.

Solange der Wohn- und Gewerberaum sowie die bebaubaren Flächen begrenzt sind, ist kein Verfall der Mieten zu befürchten. Und sinkt die Neubautätigkeit in einer Rezession, dann sorgt das knappe Mietangebot dafür, dass die Mieten stabil bleiben oder sogar steigen.

Gegenüber den Immobilien haben die Aktien jedoch klare Nachteile aufzuweisen. Zum einen schwanken die Kurse und damit auch die Renditen, wesentlich stärker als bei den Immobilien. Zudem muss sich der Investor vor der Geldanlage und auch während der Investition stets mit der Entwicklung der Aktien bzw. dem dahinter stehenden Unternehmen beschäftigen. Sollte es dem Unternehmen oder der Branche einmal schlecht gehen, dann kann das für den Anleger sogar einen Totalverlust bedeuten. Das der Wert der Immobilie oder des Grundstücks komplett auf Null fällt, das ist dagegen nicht zu erwarten. Also ist das Anlagerisiko bei den Aktien zunächst einmal höher als bei den Immobilien.

Fazit ist, dass es im aktuellen Umfeld nicht einfach ist, eine klare Antwort darauf zu geben, was sich heute mehr auf lange Sicht lohnt Aktien oder Immobilien. Doch unterm Strich kann gesagt werden, dass Anleger die einen günstigen Anlagezeitraum und Investitionsstandort ohne einschneidende Krisen erwischen, mit beiden Anlageformen ordentliche Rendite kassieren können. Doch ein bisschen Glück gehört bei beiden immer dazu.