Deutsche überschätzen sich in Geldfragen maßlos

Von einer aktuellen Untersuchung wurde aufgezeigt, dass die meisten Menschen der festen Ansicht sind, sich auszukennen, wenn es um ihr eigenes Geld geht – doch es ist nicht an dem. Nun sehen die Experten die Schulen in der Pflicht, um die Wissenslücken zu schließen.

Wissen vermitteln und Wissenslücken schließen

Die Angelegenheit ist im eigentlichen Sinne klar: Es muss Wissen vermittelt werden, damit Wissenslücken geschlossen werden können – genau dafür ist die Schule da. Doch wenn es darum geht, den Mangel in Bezug auf finanzielle Fragen zu beheben, dann werden nicht nur die Lehranstalten in Deutschland in der Pflicht gesehen. Sondern die Bundesbürger fordern von den Unternehmen und Arbeitgebern mehr Engagement in Hinsicht auf die private Altersvorsorge.

Dabei handelt es sich um ein Ergebnis, dass sich aus der Umfrage von Emnid Kantar im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment, herauskam. Die Ergebnisse lagen der WELT AM SONNTAG, exclusive am vergangenen Sonntag vor. Von rund 83 % der Bundesbürger wird demnach gefordert, dass die Unternehmen bspw. viel mehr Angebote zur Weiterbildung in Bezug auf die private Altersvorsorge offerieren. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage belegt, dass es in diesem Bereich tatsächlich weiterhin Lücken gibt. Denn die Mehrheit der Deutschen schnitten bei der Beurteilung des bereits vorhandenen Wissens in Finanzfragen nach dem Urteil der Experten eher schwach ab. Durchschnittlich erhielten die Bundesbürger die Schulnote „3,8“.

Es wurden 1014 Bundesbürger für die repräsentative Umfrage befragt und zusätzlich wurden noch insgesamt 600 Experten interviewt, wie Finanzberater, Verbraucherschützer, Politiker, Lehrer und Journalisten. Auch in dieser Gruppe wird von 72 % der Befragten der Arbeitgeber in der Pflicht gesehen, für eine bessere Finanzbildung zu sorgen.

Wissensvermittler: Arbeitgeber & Eltern

Der Vorstandsvorsitzende von Union Investment Hans Joachim Reinke erklärt, das es überraschend sei, dass die Finanzbildung von den Bundesbürgern als ein Teil des Arbeitsverhältnisses angesehen wird. Allerdings sieht es das als einen wichtigen Baustein auf den Weg, um die Finanzbildung hierzulande zu verbessern. Zum einen betrifft das Thema fast ausschließlich den Arbeitnehmer, doch zum anderen sind viele der Arbeitgeber auch Eltern.

Reine ist der Meinung, dass es eventuell eine Möglichkeit gibt, die Eltern beim Thema finanzielle Bildung abzuholen, damit auch von dieser Seite etwas unternommen wird. Denn von der Umfrage wurde auch aufgezeigt, dass das Elternhaus für 83 % der Deutschen noch immer die wichtigste Informationsquelle bei Finanzfragen darstellt. Weit abgeschlagen sind dagegen die Finanzberater mit 44 %.

Das eigene Wissen wird überschätzt

Die Deutschen schätzen ihr eigenes Wissen in Finanzfrage zwar ganz gut ein, doch in der Umfrage ergab sich durchschnittlich eine Note von „2,5“. 51 % der Befragten bewerteten ihr eigenes Wissen sogar mit „gut“ oder „sehr gut“. Nur 2 % gaben sich eine Fünf oder sechs. Die Durchschnittsquote aller Befragten im Eigenurteil liegt unterm Strich bei „2,5“.

Allerdings unterscheidet sich dieses Ergebnis deutlich von der Einschätzung der befragten Experten. Denn diese zogen bei der Finanzbildung ganz andere Schlüsse. So wurde das eigene Finanzwissen der Mitbürger von ihnen als „sehr gut“ oder „gut“ beurteilt. Nur 16 % vergaben ein „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Ihre Bewertung ergab im Schnitt eine Schulnote von „3,8“ – also gerade einmal ein „ausreichend“.

Es hat den Anschein, dass die meisten Deutschen sich bei der Beurteilung der Finanzthemen überschätzen und das kann sie teuer zu stehen kommen, wie von Reinke gewarnt wird.