Lehman-Opfer erstreitet Schadensersatz von der Targobank

Sicherlich wird die Finanzkrise aus der jüngsten Vergangenheit vielen Anlegern noch in bester Erinnerung sein. Als mit einer Hauptverantwortlichen wurde die Lehman Bank aus den Vereinigten Staaten von Amerika benannt, die seinerzeit faule Kredite für Immobilien vergeben hatte. Diese wurden letztlich nicht mehr ordnungsgemäß bedient, so dass es zum Zusammenbruch des einst so renommierten Bankhauses gekommen war. In der Blütezeit der Lehman Bank galten Investitionen in das Geldinstitut nicht nur als lukrativ, sondern auch als eine sichere Anlageform.

Aus diesem Grunde fanden sich auch in Deutschland Investoren, die hier ihr Kapital anlegten und es durchweg sicher wähnten. Wenn nunmehr die Banken in unserem Lande die Anleger nicht rechtzeitig über den drohenden Niedergang von Lehman in Kenntnis gesetzt haben, so gilt dieses als eins schwerer Beratungsfehler und zieht entsprechende Klagen nach sich, deren Folgen die Banken zu tragen haben. Die Targo Bank (frühere Citi Bank) in Bielefeld hat nun diese Folgen ihrer unterlassenen Informationen gegenüber einem Kunden im Rahmen eines Depot Checks zu tragen.

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Ein Lehman-Opfer erstreitet Schadensersatz von der Targobank in Höhe von 12.800 €, weil er nicht von der Targo Bank über die negativen Presseberichte zur katastrophalen Lage der Lehman Investment Bank (Lehman Brothers) im Jahre 2008 informiert worden war. Der Kläger hatte zuvor 18.000 € in Lehmann Zertifikaten angelegt, von denen er nun einen Teil aufgrund des Urteils des Landgerichts Bielefeld erstattet bekommen hat.

Die Begründung und mögliche Folgen

Nach dem Urteil des Landgerichts in Bielefeld (Az.: 7 O 315/10), das bereits im Februar 2013 gesprochen wurde, dürfen sich nunmehr auch weitere geprellt und schlecht informierte Anleger Hoffnungen machen, zumindest einen großen Teil des Verlustes zurückzuerhalten. Sollten nachweislich Banken die Investoren nicht ausreichend oder gar nicht über die aktuelle Lage bezüglich der strauchelnden Unternehmen informiert haben, so bestehen durchaus Möglichkeiten auf eine erfolgreiche Schadensersatzklage.

Das Landgericht Bielefeld ging in seiner Begründung davon aus, das in diesem Fall die sich Targo Bank als durchaus „kompetente und die aktuelle Lage einschätzende Bank sich gegenüber dem Kunden dargestellt habe“. Nach Auffassung des Gerichts sei das Geldinstitut dann auch verpflichtet, die „aktuellen Nachrichten der Wirtschaftspresse auszuwerten und das Ergebnis dem Kunden mitzuteilen“. Der Kunde dürfte in diesem Fall wohl auf die Kompetenz der Targo Bank gesetzt haben und erhielt durch dieses Urteil auch Recht. Als Anleger muss man letztlich seinem Geldinstitut insbesondere bei einem Depot Check vertrauen und hier dann auch erwarten können, dass auch negative Auswirkungen für ihn entsprechend mitgeteilt werden.

Inwieweit dieses Urteil tatsächlich zu einem Meilenstein avancieren wird, bleibt abzuwarten. Sicherlich werden auch die Banken, sofern ihnen diesbezüglich Klagen ins Haus stehen sollten, weitere rechtliche Schritte unternehmen, die möglicherweise durch den Bundesgerichtshof (BGH) letztlich zu klären sind. In diesem Fall zeigte sich die Targo Bank offenbar einsichtig und zahlte dem Kläger rund zwei Drittel seiner Anlage zurück.

Anleger sollten sich rechtlich beraten lassen

Anleger, die in diesem Zusammenhang ebenfalls ihr Kapital eingesetzt und verloren haben ist zu empfehlen, sich durch Fachanwälte kompetent beraten zu lassen. Es sind hierbei diverse Kriterien zu prüfen, um letztlich einen erfolgreichen Klageweg bestreiten zu können wie zum Beispiel

  • Sorgfältiges Studium des Beratungsprotokolls
  • Auswertung des Protokolls durch kompetente Rechtsberatungen
  • Falsche Beratung muss in direktem Zusammenhang mit Investitionsgütern erfolgt sein
  • Unterlassene oder fehlerhafte Informationen seteins der Hausbank belegen

Anhand dieser Auflistung kann man sich orientieren, sofern man als Geschädigter in diesen Fällen den Klageweg beschreiten möchte. Es ist jedoch bereits im Vorfeld anzuraten, sich einen professionellen und kompetenten fachlichen Rechtsberater zur Seite zu nehmen, der die Angelegenheit zuvor prüfen und auch rechtlich abklopfen wird. Im Fall der Targo Bank konnte der Kläger letztlich klar nachweisen, dass ihm wichtige und nützliche Informationen vorenthalten worden sind und er dadurch keine Möglichkeiten hatte, seine Investition zu stoppen oder zu verlagern.