Warum die Finanzmarkttransaktionssteuer ein Fehler war

Elf Länder möchten Transaktionen an der Börse besteuern und somit die Spekulation eindämmen. Was nach Gerechtigkeit klingt, entpuppt sich schnell als trügerischer Versuch die Banken zu bekämpfen. Welche Auswirkungen die Steuer auf die privaten Haushalte & Unternehmen hat und warum das Konzept überdacht werden muss, klären wir in diesem Artikel.

Teilnehmende Länder:

  • Belgien, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien und Spanien.

Welchen Sinn hat die Finanztransaktionssteuer?

In einer Erklärung wies die Bundesregierung 2012 darauf hin, dass die Kleinanleger, die Realwirtschaft und die Altersversorge nicht durch die Steuer tangiert werden.

Steuersatz:

  • Aktien, Anleihen…: 0,1 Prozent des Transaktionsvolumens
  • Finanzderivate: 0,01 Prozent des Nominalwertes

Pro Jahr soll die Steuer laut EU-Kommission 34 Milliarden Euro in Kassen spülen. Die Kosten für Deutschland belaufen sich auf mindestens 12 Milliarden Euro. Warum das so ist, klären wir weiter unten im Artikel.

„Eine allgemeine Finanztransaktionssteuer scheint nicht gut geeignet zu sein, die vorgegebenen Ziele zu erreichen“, mahnt der Internationale Währungsfonds.

Welche Kosten kommen auf die privaten Haushalte zu?

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman bezifferte gemeinsam mit dem Deutschen Aktieninstitut die jährlichen Kosten für die privaten Haushalte auf 5,0 bis 7,3 Milliarden Euro. Alleine aus dem Handel mit Aktien, Anleihen und Investmentfonds fallen Kosten zwischen 2,6 bis 3,6 Milliarden Euro an.

Welche Kosten kommen auf die Unternehmen zu?

Mittelständische Unternehmen und große Konzerne nutzen Finanzderivate zur Absicherung von Risiken. Wegen der Steuer müssen die Firmen gemeinsam Mehrausgaben in Höhe von 2,4 bis 3,7 Milliarden Euro schultern. Der Zugang zu den Kapitalmärkten wird dadurch nicht erleichtert, sondern erschwert.

Was sind Finanzderivate?

Ein typisches Derivat ist ein Optionsschein oder ein Future. Das Derivat bildet einen Kurs ab und knüpft einen Gewinn oder Verlust an Bedingungen. Das untere Bild zeigt die Funktionsweise eines exotischen Derivates: Binäre Optionen.

Weil Kreditausfallversicherungen an der Finanzkrise schuld waren, genießen die Produkte keinen guten Ruf.

Ist der Finanzplatz Deutschland gefährdet?

Wer die Liste der teilnehmenden Staaten aufmerksam gelesen hat, wird bemerkt haben, dass England nicht mit dabei ist. Das hat einen einfachen Grund: London ist Europas Finanzmetropole. Mit der Steuer würde sich der Standort selbst ins Bein schießen. Das Nachsehen hat Frankfurt, denn die Finanzströme würden abfließen und Handelssegmente abwandern. Allein im Rhein-Main-Gebiet sind 70.000 Arbeitsplätze bedroht. Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.merkur-online.de/aktuelles/wirtschaft/bankenverband-gegen-finanztransaktionssteuer-1369098.html.

Spekulation eindämmen und Derivate fördern.

Die Finanztransaktionssteuer ist nichts anderes als ein Derivate-Subventionsprogramm. Ein CDS bildet einen Aktienkurs ab. Warum soll ein Trader eine echte Aktie handeln, wenn er zu deutlich geringeren Steuerkosten ein Derivat nutzen kann. Die Broker werden künftig Aktienkurse eins zu eins abbilden und somit den realen Aktienhandel kanibalisieren. Selbstverständlich birgt der Handel mit Derivaten auch Risiken, da der Emittent pleitegehen kann. Dieses Risiko kann minimiert werden, wenn ein ausreichend großes Brokerhaus gewählt wird.

Fazit Finanztransaktionssteuer

Derivate genießen in der Bevölkerung keinen guten Ruf, dennoch sind sie gerade für Unternehmen wichtig. Fluggesellschaften wie die Lufthansa sichern sich gegen Kerosin-Preis-Schwankungen ab, Landwirte können die künftige Ernte bereits heute verkaufen und sinnvoll in Maschinen investieren und Mittelständler minimieren Währungsschwankungen. Die Bundesregierung hätte eine solche Steuer nicht absegnen dürfen, da der Finanzplatz Frankfurt auf dem Spiel steht. Die Zukunft wird zeigen, ob es ein großer Fehler war.