Wird Apple Pay die klassische Kreditkarte verdrängen?

Jeder dritte Deutsche besitzt eine Kreditkarte. Kein Wunder, schließlich lassen sich im Internet damit Zahlungen abwickeln, im Ausland kann an jedem Bankautomaten Bargeld abgehoben werden und am Ende des Monats erhält der Inhaber eine genaue Auflistung aller bezahlten Posten. Seit dem neunten September ist es amtlich: Apple möchte den Zahlungsverkehr revolutionieren. Ob dies wirklich gelingt und welche Risiken Apple Pay mit sich bringt, möchten wir in diesem Artikel erläutern.

NFC brachte bis dato nicht der erhofften Erfolg

Via Near Field Communication, kurz NFC zahlen momentan nur wenige Menschen. Das mobile Zahlungssystem brachte nicht den gewünschten Erfolg und dennoch möchte Apple genau dort ansetzen. Die Funktechnik erlaubt eine kontaktlose Kommunikation über kurze Distanzen. Voraussetzung dafür ist, dass sowohl das Smartphone als auch das Kassenterminal über NFC verfügt. Apple konnte bereits eine Woche nach Markteinführung 220.000 Läden von diesem System überzeugen. Damit wird das Zahlsystem aus Cupertino in 5,5 Prozent der insgesamt 3,6 Millionen Läden in den USA eingeführt. Das Potential ist noch nicht im Ansatz ausgeschöpft. Fraglich ist nur, ob die restlichen Einzelhändler ebenfalls Apple-Pay anbieten, denn schließlich müssen die passenden Geräte besorgt und Mitarbeiter im Umgang mit der Zahlungsmethode geschult werden.

Besitzt Apple genug Reichweite um einen Service zu etablieren?

Potentielle Anwender von Apple Pay gibt es genug. Weltweit haben 800 Millionen Menschen ein Konto bei iTunes. Ebays Paypal kommt auf eine Kundenanzahl von 230 Millionen. Laut Unternehmen kommen täglich 104.500 Nutzer hinzu. Die theoretische Reichweite ist bei Apple also deutlich höher. Allerdings möchten nicht alle iPhone Besitzer den neuen Dienst in Anspruch nehmen.

Sicherheitslücken beseitigen

Im Hinblick auf den jüngsten Skandal um die Sicherheit von Apples Cloud-Servern dürften viele User sehr misstrauisch sein. Hacker hatten es geschafft, die Passwörter einiger Stars zu knacken, um anschließend deren Fotos herunterzuladen. Ob es sich tatsächlich mit einem gestohlenen Smartphone shoppen lässt, bleibt abzuwarten, denn schließlich muss der Kauf über die Touch ID bestätigt werden. Der Fingerabdrucksensor könnte dem System eine gewisse Vertrauenswürdigkeit vermitteln. Das Unternehmen selbst hat keine Sicherheitsbedenken. Namenhafte Kreditkartenbetreiber wie Visa und Mastercard sind bereits mit an Bord.

Mobile-Payment: Ein riesen Wachstumsmarkt.

Während im Jahr 2013 noch Transaktionen mit einem Volumen von einer Milliarde US-Dollar über kontaktloses Zahlen abgewickelt wurden, sollen es bis 2017 58,4 Milliarden Dollar werden. Zu diesem Ergebnis kommt Analyst Mark May von Citi Investment Research.

Bild: In Deutschland werden jährlich mehr als 700 Millionen Transaktionen mit der Kreditkarte durchgeführt. Mobile Payment ist davon noch meilenweit entfernt. Bildquelle: Eigene Darstellung

Fazit

Die in der Überschrift gestellte Frage kann mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden. Die Marktanteile von Android-Phones steigen. Es müsste ein einheitliches Mobile-Payment-System geschaffen werden, um der Kreditkarte den Kampf anzusagen. Zudem müsste das Misstrauen in der Bevölkerung beseitigt werden. Die Kreditkarte wird es folglich noch Jahrzehnte geben.